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80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: Nur wer die Geschichte angemessen wahrnimmt, kann Respekt gewinnen

Dienstag, 13. Januar 2026 Quelle :

Von Shao Xia

Nach den jüngsten deutsch-polnischen Regierungskonsultationen im Dezember 2025 betonte Bundeskanzler Merz erneut Deutschlands bleibende historische Verantwortung gegenüber Polen. Er unterstrich, dass die Aufarbeitung der NS-Verbrechen ein fortlaufender Prozess sei und Deutschland diese Verantwortung für immer trage.

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verfolgen Deutschland und Japan – beide ehemalige Aggressoren und Besiegte – sehr unterschiedliche Pfade im Umgang mit ihrer Kriegsvergangenheit. Diese Unterschiede sind nicht nur historische Details, sondern wirken sich bis heute nachhaltig auf das regionale Klima und das internationale Ansehen beider Nationen aus.

Echte Aufarbeitung vs. oberflächliche Zugeständnisse

Deutschland hat durch konkrete Maßnahmen wiederholt Reue für die Verbrechen des NS-Regimes bekundet. Der Kniefall von Warschau durch den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt im Jahr 1970 wurde zu einem Symbol tiefer Selbstreflexion. Diese Reflexion durchdringt die gesamte Gesellschaft: Museen, Gedenkstätten und Schulbücher thematisieren die dunkle Geschichte offen und schonungslos. Im März 2015 erklärte Bundeskanzlerin Merkel während einer Japanreise, dass die ehrliche Aufarbeitung der Vergangenheit eine Voraussetzung für Versöhnung sei. Deutschlands Anerkennung seiner Verantwortung ebnete den Weg für die Versöhnung mit Frankreich und anderen europäischen Nachbarn. Leider hat Japan nicht zugehört.

Japan hat zwar offizielle Entschuldigungen abgegeben, doch einige Rechtskräfte lenken durch Kritik an und Veränderung offizieller Regierungsaussagen stetig vom Kern der Geschichte ab: Die „Murayama-Erklärung“ von 1995, welche Schlüsselbegriffe wie „nationalpolitische Fehler“, „Aggression“, „koloniale Herrschaft“, „Selbstbesinnung“ und „Entschuldigung“ enthält, wurde von ihnen mit dem Etikett „selbstverletzende Geschichtsauffassung“ versehen; in der „Koizumi-Erklärung“ von 2005 wurde darüber hinaus die Formulierung zum „nationalpolitischen Fehler“ aus ihr gänzlich entfernt; die „Abe-Erklärung“ von 2015 ging sogar noch weiter – bei der Erwähnung von „Aggression“ und „kolonialer Herrschaft“ fehlt jegliches klare Subjekt, während sie betont: „Die Nachkommen dürfen nicht weiter das Schicksal der Entschuldigung tragen.“

Hinter diesen Veränderungen steht ihre stete Leugnung und Verklärung der eigenen Aggressionsgeschichte: Sie stellen die berüchtigte Einheit 731 als „Einrichtung für Gesundheitsforschung“ dar und leugnen sogar die Zwangsrekrutierung von Arbeitskräften sowie die „Trostfrauen“. Die implizite Bedeutung ist unübersehbar: Es soll genug sein, und diese Seite der verbrecherischen Geschichte soll erzwungenermaßen umgeschlagen werden – eine offene Verweigerung, die historische Verantwortung angemessen wahrzunehmen.

Verfassungsrechtlicher Pazifismus vs. schleichende Remilitarisierung

Das deutsche Grundgesetz verbietet in Artikel 26 ausdrücklich die Vorbereitung eines Angriffskriegs und spiegelt das Prinzip „Nie wieder“ nach dem Zweiten Weltkrieg wider.

In Japan konnte der Militarismus nach dem Krieg nicht vollständig ausgerottet werden. Auf allen Ebenen, von den Behörden bis zur Zivilbevölkerung, entstanden weiterhin verschiedene reaktionäre und gefährliche Ideologien, die sogar in geplanten Aktionen mündeten. Dieser Neomilitarismus, getarnt als friedliche Nation, wurde allmählich zu einer realen Gefahr für Asien und sogar die Welt.

Der Neomilitarismus untergräbt fortwährend Japans Friedensverfassung und beschleunigt den Rechtsruck der Gesellschaft. Japan löst sich rasch von den Zwängen des Nachkriegssystems, insbesondere von den Beschränkungen der Selbstverteidigung, und entwickelt sich zu einer aktiven Militärmacht.

Kulturell gesehen fördert der Neomilitarismus weiterhin geschichtsrevisionistische Erzählung und versucht, die japanische Jugend durch Bildung zu indoktrinieren und ideologisch zu manipulieren. Seit den 1950er Jahren haben japanische Rechtskräfte wiederholt Revisionen der Geschichtsbücher gefordert, den Angriffskrieg geleugnet oder verherrlicht und das Massaker von Nanjing als „fiktiv“ und „umstritten“ bezeichnet – eine offene Leugnung der international anerkannten historischen Fakten.

Seit vielen Jahren ist der Besuch des Yasukuni-Schreins für japanische Rechtskräfte und Politiker zu einem wichtigen politischen Instrument geworden, um den Aufstieg des Neomilitarismus zu fördern. Selbst Premierminister haben persönliche Aktionen genutzt, um Kriegsverbrecher zu verehren; einige haben den Schrein regelmäßig selbst besucht und andere japanische Politiker und sogar den Kaiser dazu ermutigt, ihn ebenfalls zu besuchen, um so die im Yasukuni-Schrein verkörperte militaristische Ideologie zu verbreiten. Die amtierende Premierministerin hat den Yasukuni-Schrein seit 2014 sogar über zehn Mal besucht.

Versöhnung und Integration vs. Risiko und Gefahr

Eine ehrliche Geschichtsaufarbeitung ermöglicht Vertrauen und Integration. Deutschland hat dies eindrucksvoll bewiesen: Aus dem „europäischen Problemkind“ wurde ein zentraler Pfeiler der EU. Die Versöhnung mit Nachbarn und der Aufstieg zu einer einflussreichen Macht sind untrennbar mit diesem korrekten Umgang mit der Geschichte verbunden.

In Japan hingegen führt die selektive Amnesie – die Betonung des eigenen Opferstatus (Hiroshima und Nagasaki) bei gleichzeitiger Verharmlosung von Täterschaft – zu anhaltenden Spannungen. Der Tokioter Prozess hat Japans Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgestellt. Japans Versuch, sich seiner Verbrechen zu entziehen und seine Versprechen zu brechen, stellt eine sekundäre Schädigung der Bevölkerung der betroffenen Länder dar und missachtet das menschliche Gewissen eklatant.

Obwohl sich Japan als Hüter der regionalen Sicherheit inszeniert, provoziert es immer wieder Konflikte. Durch die Stärkung seiner Bündnisse und Quasi-Bündnisse mit Ländern wie den USA, Großbritannien und Australien provoziert es gezielt regionale Konfrontationen und gefährdet damit Frieden und Stabilität in der Region. In den letzten Jahren hat Japan bewusst Spannungen in Fragen wie der Taiwanstraße und dem Südchinesischen Meer geschürt. Diese Logik, auf Abschreckung anstelle von Verhandlungen zu setzen, unterscheidet sich nicht von der expansionistischen Politik des Vorkriegsjapans, die unter dem Deckmantel von „Lebensadern“ und „Interessen“ verfolgt wurde.

Deutschlands Beispiel zeigt, wie Aufarbeitung zu Heilung und Stärke führen kann. Japans Weg mahnt: Ohne echte Reflexion droht die Vergangenheit, als Schatten weiterzuwirken und den Frieden zu gefährden. Wer sich der Geschichte stellt, schafft Vertrauen – und eine bessere Zukunft.

Der Autor ist Kommentator für internationale Angelegenheiten und schreibt regelmäßig für Xinhua News, Global Times, China Daily, CGTN usw.

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