Chinesische Unternehmen für autonomes Fahren bauen ihre Präsenz in Europa durch Partnerschaften mit lokalen Mobilitätsplattformen, Flottenbetreibern und Automobilherstellern aus, während europäische Regierungen daran arbeiten, Testläufe und den künftigen kommerziellen Einsatz zu ermöglichen.
WeRide gab am 3. August bekannt, dass es eine strategische Partnerschaft mit dem dänischen Anbieter für geteilte Elektromobilität, GreenMobility, geschlossen hat. Die Partner planen, in der ersten Jahreshälfte 2027 einen öffentlichen Robotaxi-Dienst in Dänemark zu starten, sofern die behördliche Genehmigung erteilt wird.
Dänemark ist für WeRide der erste Markt in Nordeuropa und der sechste innerhalb Europas. Für den Dienst soll das Modell GXR von WeRide zum Einsatz kommen, ein EU-konformes Fahrzeug mit Autonomie-Level 4. Nach Angaben des Unternehmens kann es in ausgewiesenen Gebieten und unter festgelegten Bedingungen fahrerlos fahren.
Die Erfahrung von GreenMobility im lokalen Flottenbetrieb und im Bereich Shared Mobility wird als Grundlage für diese Partnerschaft dienen. Testläufe und der spätere Einsatz erfolgen in Zusammenarbeit mit den dänischen Straßen- und Verkehrsbehörden sowie unter Einhaltung der dänischen und EU-Vorschriften, so die Unternehmen.
Tony Han, Gründer und CEO von WeRide, erklärte, die Partnerschaft könnte als skalierbares Modell für die Einführung autonomer Mobilitätsdienste in neuen internationalen Märkten dienen.
Das dänische Projekt fällt in eine Zeit, in der europäische Länder eine stärkere Abstimmung bei der Erprobung und Einführung autonom fahrender Fahrzeuge anstreben. Im Juni unterzeichneten 18 EU-Mitgliedstaaten eine gemeinsame Absichtserklärung zur Einrichtung großer, grenzüberschreitender Testfelder für autonome Fahrzeuge.
Die Initiative umfasst Anwendungsbereiche für autonomes Fahren im öffentlichen Nahverkehr sowie im Güterverkehr und in der Logistik. Die teilnehmenden Länder wollen gemeinsame Grundsätze für die Zulassung und koordinierte Genehmigungsverfahren erarbeiten, um großflächige Tests und den künftigen kommerziellen Einsatz zu fördern.
Laut der Erklärung erfordert der Übergang von der Testphase zum realen Einsatz einheitliche und berechenbare Rahmenbedingungen für den Betrieb automatisierter Transportdienste im gesamten EU-Binnenmarkt.
Baidus Dienst für autonomes Fahren Apollo Go und die europäische Mobilitätsplattform Freenow von Lyft begannen am 28. Juli in London mit der Erprobung autonomer Fahrzeuge des Typs RT6.
Die ersten Tests werden von Prüfern an Bord begleitet und finden im Londoner Stadtbezirk Brent statt, in dem es sowohl städtische als auch vorstädtische Verkehrsumgebungen gibt. Die Partner planen, ab 2027 Fahrten für die Öffentlichkeit anzubieten, sofern die behördliche Genehmigung erteilt wird.
Pony.ai wird die Technologie für autonomes Fahren zur Verfügung einbringen und Bolt seine Erfahrung im Betrieb einer Ride-Hailing-Plattform. Stellantis wird einen mittelgroßen Transporter, der auf einer Plattform basiert, die das autonome Fahren der Stufe 4 unterstützt, sowie Fachwissen in Fahrzeugtechnik und -fertigung bereitstellen.
In Zagreb in Kroatien stellt Pony.ai Technologie für autonomes Fahren für einen Robotaxi-Dienst des Mobilitätsunternehmens Verne bereit. Im April nahm der Dienst seinen Betrieb auf. Über die App von Verne können Fahrgäste Fahrten buchen und bezahlen.
Ein weiterer Partner des Zagreb-Projekts ist Uber. Verne gab im April bekannt, dass Fahrten später über die App von Uber verfügbar sein werden. In der frühen Phase des Projekts befanden sich noch Fahrer an Bord.
Laut Ron Zheng, Senior Partner bei Roland Berger und Leiter der Abteilung Automotive in Asien, müssen chinesische Unternehmen für autonomes Fahren ihre Algorithmen anhand lokaler Daten anpassen, da sich die Verkehrsregeln, die Verkehrszeichen und der Mischverkehr in Europa deutlich von denen in China unterscheiden.
Ihre langfristigen Aussichten würden davon abhängen, wie schnell sie lokale regulatorische Anforderungen erfüllen und stabile Partnerschaften mit europäischen Unternehmen aufbauen, so Zheng.