Besucher auf der IFA 2026 in Berlin am 4. September 2026. (Foto: Zhang Haofu/Xinhua)
Von Robotern, die den Weg in die Küche finden, über Wohnzimmer, die unseren Tagesablauf vorhersagen, bis hin zu Schmuck, der Partner über große Entfernungen hinweg miteinander verbindet, vermittelt die diesjährige Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin, eine der weltweit größten Messen für Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte, einen Einblick in eine nahe Zukunft, die zunehmend von chinesischen Innovationen geprägt wird.
Von den mehr als 1.900 Ausstellern der fünftägigen Messe stammt fast die Hälfte aus China, sodass ihre Präsenz auf der Veranstaltung kaum zu übersehen ist. Bedeutender als ihre Größe ist jedoch ein allgemeiner Wandel hinsichtlich ihrer Innovationsstrategien: Technologien werden schneller vom Prototyp im Labor zur kommerziellen Anwendung gebracht, vernetzte Ökosysteme für den Wohnbereich aufgebaut und personalisierte Technologien für Verbraucher entwickelt.
Zuschauer beobachten am Stand von Unitree auf der IFA 2026 in Berlin einen Kampf zwischen Robotern, 5. September 2026. (Foto: Zhang Haofu/Xinhua)
Roboter halten Einzug in den Alltag
Humanoide Roboter sind vielleicht das anschaulichste Beispiel für diesen Wandel. Am Stand von Unitree Robotics bewegten sich mehrere humanoide Roboter synchron zum Rhythmus der Musik, während ein anderer eine weitaus alltäglichere Aufgabe übernahm: die Zubereitung eines Sandwichs. Er nahm Brotscheiben in die Hand, fügte Salat hinzu und stapelte die Schichten ordentlich übereinander. Die futuristische Technologie wirkte plötzlich unerwartet vertraut. In der Nähe tanzten die pandaförmigen Roboter von Dobot Robotics von einer Seite zur anderen und zogen die Besucher mit ihren verspielten Bewegungen in ihren Bann.
Am Stand von PrimeBOT sticht ein 88 Zentimeter großer humanoider PrimeBOT Q1-Roboter durch flüssige Kampfsportbewegungen hervor. Dank seiner flexiblen Gelenke führt er Schläge, Drehungen und eine markante Abschlusshaltung mühelos aus. Daneben demonstrierte der PrimeBOT T1 eine weitere Fähigkeit: Innerhalb von Sekunden wechselte er von einer zweibeinigen menschlichen Körperhaltung in eine vierbeinige Konfiguration, was bei den Zuschauern überraschtes Staunen hervorrief.
Hinter dem Spektakel verbirgt sich die eigentliche Herausforderung, diese aufsehenerregenden Vorführungen in praktische Anwendungen zu überführen.
„China bringt in rasantem Tempo neue Roboter vom Labor in praktische Industrie- und Verbrauchermärkte“, erklärt Zou Jiyuan, Chief Marketing Officer für internationale Märkte bei PrimeBOT, gegenüber Xinhua.
Zou führt diese Geschwindigkeit zum Teil auf Chinas umfangreiche Fertigungskapazitäten und die gut ausgebauten Lieferketten zurück. „Dank der starken Unterstützung bei Schlüsselkomponenten wie Motoren, Sensoren, Batterien und Chips können Robotikunternehmen ihre Entwicklungszyklen verkürzen, Kosten senken und Produkte schneller weiterentwickeln.“
Messebesucher schauen sich einen Xiaomi SU7 am Stand von Xiaomi auf der IFA 2026 in Berlin an, 5. September 2026. (Foto: Zhang Haofu/Xinhua)
Vom Produkt zu neuen Lebenswelten
Die Bemühungen, Technologie näher an den Alltag heranzuführen, gehen weit über die Robotik hinaus. Bei Haushaltsgeräten präsentieren chinesische Unternehmen nicht nur intelligentere Produkte, sondern ganze Wohnraumkonzepte, die auf diesen Produkten aufbauen.
Das Unternehmen TCL gewährt mit seinem Messestand einen Einblick in das Leben der Zukunft. Großbildfernseher bilden den Mittelpunkt des Raums, während Augmented-Reality-Brillen digitale Inhalte direkt ins Blickfeld bringen. In der Nähe sorgt eine KI-gestützte Klimaanlage dafür, dass der Komfort im Innenraum an die jeweiligen Bedingungen angepasst wird, während eine intelligente Waschmaschine Dinge wie die Beladungsmenge oder den Stofftyp erkennt und den Waschmodus entsprechend anpasst. Wenn man durch den Raum geht, hat man das Gefühl, ein Zuhause zu betreten, in dem die Technik Teil eines einheitlichen, vernetzten Gesamtkonzepts ist.
„Was wir hier vorstellen, ist nicht nur eine Auswahl intelligenter Produkte. Es ist eine Vision davon, wie Menschen im Zeitalter künstlicher Intelligenz leben könnten, in dem verschiedene Geräte auf die Bedürfnisse des Alltags abgestimmt zusammenarbeiten“, so Daniel Sun, CTO von TCL Industries, in einem Exklusivinterview mit Xinhua.
Er weist darauf hin, dass der Übergang von einzelnen Produkten zu ganzheitlichen Lösungen für konkrete Nutzungsszenarien eine umfassendere Entwicklung in der chinesischen Haushaltsgerätebranche widerspiegelt. „Unternehmen verbinden mittlerweile ihre Fertigungskapazitäten mit Design, Software und Systemintegration, um komplette Ökosysteme für den Haushalt zu schaffen.“
Hisense greift diesen Ansatz mit einem KI-gestützten Heimsystem auf, das Geräte wie Fernseher, Kühlschrank und Klimaanlage miteinander vernetzt. In einer Vorführung veranlasste der einfache Ausruf „Heute Abend das Spiel anschauen“ das System dazu, Beleuchtung, Raumtemperatur und eine Erinnerung an eine Essenslieferung aufeinander abzustimmen. Dies verdeutlicht, wie Haushaltsgeräte zunehmend so konzipiert werden, dass sie in einem gemeinsamen Haushalt miteinander interagieren.
„Chinesische Unternehmen präsentieren nicht nur eine breitere Produktpalette und erreichen schnellere Entwicklungszyklen“, bemerkt Yan Ronghua, Leiter des Bereichs Overseas Portfolio Operations beim Hisense Global Commercial Center. „Sie bestimmen aktiv mit, wie Technologie den Alltag neu gestalten kann – ein Wandel, der sich auf der diesjährigen IFA als klarer Trend herauskristallisiert hat.“
Besucher bei der Besichtigung von Kühlschränken am Messestand von Hisense auf der IFA 2026 in Berlin, 5. September 2026. (Foto: Zhang Haofu/Xinhua)
Personalisierung von Innovation
Über Roboter und vernetzte Haushalte hinaus dringen chinesische Unternehmen auch in spezialisiertere Nischen von Technologien für Verbraucher vor.
Am Stand der Marke für intelligenten Schmuck TOTWOO findet chinesische Innovationskraft ihren Ausdruck in Armbändern und Halsketten, die dem Träger ein ganz besonderes Gefühl von Intimität vermitteln. Die über Bluetooth mit einer mobilen App verbundenen intelligenten Schmuckstücke verwandeln eine einfache Berührung in ein Signal, das große Entfernungen überbrücken kann: Wenn man das eigene Gerät antippt, leuchtet das mit ihm gekoppelte Schmuckstück auf und vibriert als Antwort. Schwer fassbare Gefühle wie Sehnsucht, Verbundenheit und Nähe werden so in ein sanftes Leuchten und ein dezentes Pulsieren übersetzt.
Für Wang Jieming, Gründer und CEO von TOTWOO, ist der Einsatz von Technologie in solch sensiblen Lebensbereichen Teil eines umfassenderen Trends. Wie er gegenüber Xinhua erklärt, dringen chinesische Technologieunternehmen zunehmend in spezialisierte, von emotionalen Bedürfnissen geprägte Märkte vor.
„Gestützt auf ausgereifte Hardware-Lieferketten sowie Fortschritte bei KI und intelligenter Interaktion gehen chinesische Marken über viel beachtete Produktkategorien wie Smartphones, Haushaltsgeräte und Roboter hinaus“, so Wang. „Wir dringen in Marktnischen wie intelligenten Schmuck vor, wo Personalisierung und emotionale Erlebnisse im Mittelpunkt stehen.“
Der Vorstoß in neue Produktkategorien spiegelt zudem einen allgemeinen Wandel in der Art und Weise wider, wie chinesische Unternehmen ins Ausland expandieren. „Chinesische Unternehmen wollen nicht mehr einfach nur Produkte im Ausland verkaufen, sondern Marken aufbauen, um sich langfristig auf den globalen Märkten zu etablieren“, erläutert Ye Can, Europa-Chef bei WeBranding Global, einem Unternehmen, das chinesische Firmen bei ihrer internationalen Expansion unterstützt.
Ye zufolge beruhe die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen auf der Kombination aus starken Lieferketten, technologischer Innovation und betrieblicher Effizienz. „Mit dem Wachstum neuer Branchen wie KI-Hardware und Smart Homes spielen chinesische Unternehmen eine immer größere Rolle bei der Entwicklung neuer Produkte und Technologien für globale Märkte.“
Am Stand von Insta360 auf der IFA 2026 in Berlin probiert ein Junge eine FPV-Drohne aus, während er eine FPV-Brille trägt, 5. September 2026. (Foto: Zhang Haofu/Xinhua)