Auf der Piazzale Michelangelo in Florenz fragt ein Straßenkünstler sein Publikum, woher es komme. Als er „China“ ruft, schnellen unter Jubel und Applaus unzählige Hände in die Höhe.
Die Szene wurde in einem der zahlreichen viralen Videos festgehalten, die während der diesjährigen Ferien zum Mittherbstfest und zum Nationalfeiertag das Schlagwort „Die ganze Welt weiß, dass China Ferien hat“ zu einem Trendthema in den chinesischen sozialen Medien machten.
Sie spiegelt zudem einen umfassenderen Wandel wider: Chinesische Touristen reisen zunehmend in weiter entfernte Länder, während weiterhin zahlreiche internationale Besucher nach China strömen.
Nach Angaben der Nationalen Einwanderungsbehörde verzeichnete China während der Ferien zum Nationalfeiertag vom 1. bis 7. Oktober 15,46 Millionen Ein- und Ausreisen, was einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
4,44 Millionen Ausreisen von Einwohnern des chinesischen Festlands stehen 682.000 Einreisen von Ausländern gegenüber, was einem Anstieg von 9,3 Prozent bzw. 5,4 Prozent entspricht. Von diesen Einreisen ausländischer Staatsangehöriger erfolgten 505.000 visumfrei, eine Zunahme um 9,2 Prozent.
Da die Ferien zum Mittherbstfest auf den 25. bis 27. September fielen, konnten sich Reisende drei Tage Urlaub nehmen, um auf insgesamt 13 freie Tage zu kommen, was ihnen die Möglichkeit für längere und weiter entfernte Reisen eröffnete.
Für die Kunden des in Peking ansässigen Reiseveranstalters Utour Group war Europa während der Ferien zum Nationalfeiertag das beliebteste Fernreiseziel. Die Buchungen für Reisen nach Europa stiegen Berichten zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 140 Prozent. Auf diese Region entfiel während der Ferienzeit fast die Hälfte des Auslandsgeschäfts der Utour Group.
Li Mengran, Marketingleiterin des Unternehmens, erklärte, die Nachfrage nach Reisen nach Europa, Nordamerika und Ozeanien spiegele das wachsende Interesse chinesischer Touristen an hochwertigen Erlebnissen im Ausland wider.
Die Entwicklung verläuft jedoch nicht überall gleich. Japan fiel in diesem Jahr auf der Reiseplattform Tuniu aus den Top 10 der beliebtesten Auslandsreiseziele heraus, nachdem es im Jahr zuvor noch den ersten Platz belegt hatte. Zu den beliebtesten Zielen zählen nun Indonesien, die Türkei und Südkorea. Nach Angaben der Japanischen Nationalen Tourismusorganisation sank die Zahl der Besucher aus Festlandchina in den ersten acht Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 56,7 Prozent auf rund 2,9 Millionen.
Unterdessen entdeckten Besucher aus dem Ausland immer mehr Seiten Chinas.
Die Trip.com Group vermeldete für die gesamte Ferienzeit ein zweistelliges Wachstum bei ausländischen Touristen in China, wobei die Buchungen aus Russland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 173 Prozent sprunghaft anstiegen. Großbritannien, Malaysia und Kanada verzeichneten jeweils Zuwächse von über 50 Prozent.
Für manche Besucher war die festliche Atmosphäre an sich schon eine Attraktion. Ein irischer Tourist namens Alan erklärte gegenüber China Daily, dass die während der Ferien zum Nationalfeiertag in ganz China geplanten Veranstaltungen ihn dazu bewogen hätten, das Land zu besuchen.
Wu Liyun, Professor an der China Academy of Culture and Tourism der Beijing International Studies University, führt das Wachstum auf die Ausweitung der Visafreiheit, Chinas zunehmende Präsenz in den sozialen Medien im Ausland und das Interesse zurück, chinesische Feste hautnah mitzuerleben.