Steigende Kraftstoffpreise beflügeln neben wettbewerbsfähigen Preisen und fortschrittlicher Technologie den Absatz chinesischer Elektrofahrzeuge in Deutschland, da Konsumenten neben Umweltaspekten zunehmend auf Kosten, Ausstattung und Leistung achten.
Laut den vom Kraftfahrt-Bundesamt am Dienstag veröffentlichten Zahlen erreichten die Zulassungen von Elektrofahrzeugen im März 70.700, was einem Plus von 66,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Zulassungen von Plug-in-Hybridfahrzeugen stiegen um 13 Prozent auf 29.900.
Chinesische Autohersteller konnten im März zulegen. Marken wie BYD und Leapmotor verzeichneten einen dreifachen Anstieg der Zulassungen im Vergleich zum Vorjahr, während Xpeng seine Zahlen mehr als verdoppelte, was die zunehmende Akzeptanz unter deutschen Konsumenten widerspiegelt.
Steigende Kraftstoffkosten sind ein wesentlicher Faktor. Diesel kostete am Dienstag rund 2,5 Euro (2,9 US-Dollar) pro Liter, E10-Benzin lag bei etwa 2,24 Euro (2,6 US-Dollar), so der Allgemeine Deutsche Automobil-Club.
Der Preisanstieg ist eine Folge der durch die Spannungen im Nahen Osten bedingten Unterbrechungen der Öltransportwege und treibt die ohnehin schon hohen Energiekosten in Europa weiter in die Höhe.
„Das Volltanken meines Audi Q5 kostet jetzt 125 Euro (145,70 Dollar), vor dem Nahostkonflikt waren es noch 90 Euro (104,90 Dollar)“, sagt Andreas Heumann, der in Berlin wohnt und überlegt, sich einen Plug-in-Hybrid anzuschaffen. „Wenn die Preise so hoch bleiben, wird der Autowechsel zu einer rein wirtschaftlichen Entscheidung.“
Für viele Haushalte führen die laufenden Kosten für Benzin- und Dieselfahrzeuge zu einem veränderten Kaufverhalten. Einige Käufer verschieben den Fahrzeugkauf, während andere verstärkt auf Elektrofahrzeuge umsteigen.
„Elektrofahrzeuge spielen eine immer zentralere Rolle dabei, wie Verbraucher mit Kostenunsicherheit umgehen“, so Zheng Yun, Senior Partner der Münchner Unternehmensberatung Roland Berger. „Wenn die Kraftstoffpreise stark steigen, erhöhen sich die Gesamtbetriebskosten von Verbrennern sofort, wodurch Elektrofahrzeuge im Vergleich attraktiver werden.“
Die deutsche Bundesregierung hat Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen abzufedern. Seit dem 1. April dürfen Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich erhöhen, um Preisschwankungen zu reduzieren. Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche hat zudem eine Senkung der Stromsteuer für Haushalte vorgeschlagen. Analysten warnen jedoch davor, dass solche Maßnahmen den anhaltenden Druck durch die hohen Kraftstoffpreise nur teilweise ausgleichen können.
Elektrofahrzeuge werden aus diesem Grund zunehmend nicht nur als umweltfreundliche Alternative, sondern auch als wirtschaftlich vernünftige Entscheidung betrachtet. Dmitrij Kolesnik, ein Händler in Berlin, erklärt, dass chinesische Elektrofahrzeuge aufgrund wettbewerbsfähiger Preise, solider Verarbeitungsqualität und fortschrittlicher Technologie bei den Verbrauchern immer mehr Anerkennung finden.
In Ausstellungsräumen ist der Wandel deutlich sichtbar. Bei einem BYD-Händler im Zentrum Berlins berichten Verkäufer, dass Kunden, die früher wochenlang für ihre Entscheidung brauchten, nun innerhalb weniger Tage kaufen.
Magrin Tommaso, ein italienischer Friseur, der in Deutschland lebt und kürzlich mehrere chinesische Elektrofahrzeuge Probe gefahren hat, sagt, die Kombination aus niedrigeren Betriebskosten und fortschrittlicher Bordtechnologie mache diese Autos zu einer „klugen Wahl“. Er entschied sich schließlich für einen BYD Atto 3.
Politische Anreize, darunter Subventionen von bis zu 6.000 Euro (7.000 US-Dollar) für neue Elektrofahrzeuge ab 2026, stützen die Nachfrage. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass finanzielle Maßnahmen allein nicht den Wandel vorantreiben. Verbraucher orientieren sich zunehmend an Betriebskosten, Ausstattung und langfristigem Wert, was einen breiteren Trend zur Elektromobilität in Deutschland widerspiegelt.
Chinesische Hersteller nutzen insbesondere ihre Stärken in den Lieferketten für Batterien, der Kostenkontrolle und der Softwareintegration, um ihre Präsenz auszubauen. Zheng merkt an, dass dies einen Wandel vom bloßen Export von Fahrzeugen hin zum Aufbau einer Markenbekanntheit und langfristiger Marktpositionen in Europa markiere.