Gastbeitrag von Qi Mei, chinesischer Botschafterin in Österreich
Am 28. Mai ist der 55. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Österreich. Seit über einem halben Jahrhundert haben beide Seiten im Geist gegenseitigen Respekts und Gleichbehandlung einen Weg freundschaftlicher Zusammenarbeit beschritten, der die großen Distanzen überwindet und von dem beide Seiten profitieren.
Angetrieben durch Kontakte auf hoher Ebene vertiefte sich das gegenseitige politische Vertrauen kontinuierlich. Am 28. Mai 1971 nahmen beide Länder offiziell diplomatische Beziehungen auf und eröffneten damit ein neues Kapitel ihres Austauschs. In unserer von Umbrüchen und Turbulenzen geprägten Weltlage sind China und Österreich nicht nur Partner für die bilaterale Zusammenarbeit, sondern vielmehr noch Mitstreiter zur Wahrung des Multilateralismus und für eine Weiterentwicklung der globalen Ordnung. Beide Seiten beweisen durch politische Weisheit, Weitblick und Handlungsstärke, dass Länder mit unterschiedlichen Ideologien, Gesellschaftsordnungen und Entwicklungsstufen harmonisch koexistieren und zu beidseitigem Nutzen kooperieren können.
Durch enge Wirtschafts- und Handelskontakte sowie überaus erfolgreiche pragmatische Zusammenarbeit haben sich China und Österreich zu langfristig bedeutenden Handels- und Investitionspartnern entwickelt. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen ist das chinesisch-österreichische Handelsvolumen um mehr als das 400-fache gestiegen – eine geradezu atemberaubende Entwicklung. 2025 war China bereits der drittgrößte Handelspartner Österreichs. Bis heute engagieren sich mehr als 650 österreichische Unternehmen in China. Die Zahl der Joint-Ventures und Kooperationsprojekte beläuft sich auf über 1.500 und umfasst Sektoren mit hoher Wertschöpfung wie Halbleiter, Spezialchemie und Kfz-Komponenten. Gleichzeitig nutzen immer mehr chinesische Unternehmen Österreich als Brückenkopf zur Erschließung des mittel- und osteuropäischen Markts. Mehr als 50 Firmen in Bereichen wie Maschinenbau, Automobilindustrie, Telekommunikation und Finanzwesen haben sich in Österreich niedergelassen. In der Steiermark laufen chinesische Elektroautos vom Band und zwischen Wien und Salzburg verkehren Züge aus chinesischer Produktion. Beides verleiht der regionalen Entwicklung neuen Schwung. Die Volkswirtschaften Chinas und Österreichs ergänzen sich mit ihren jeweiligen Stärken und sind eng miteinander verzahnt. Gemeinsam bilden sie bedeutende Glieder in den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten. Damit stellen sie ein Paradebeispiel für wechselseitige Vorteile dar und dienen dem Wohl und den Interessen der Menschen in beiden Ländern.
Der rege kulturelle Austausch hat ein tief verwurzeltes gegenseitiges Verständnis etabliert. Sowohl China als auch Österreich besitzen eine lange Geschichte und prächtige Kultur. Der gesellschaftlich-kulturelle Austausch schlägt eine Brücke zwischen den Herzen der Menschen in beiden Ländern. China beeindruckt mit der imposanten Großen Mauer und dem Kaiserpalast, Österreich mit der klassischen Eleganz von Schloss Schönbrunn und Salzburg; China begeistert durch die Ausdruckskraft der Pekingoper und Kalligrafie, Österreich mit filigraner Oper und Walzer. Eine Sonderausstellung zum Kaiserpalast im Kunsthistorischen Museum Wien zog zahlreiche Besucher an. Im Mai 2025 wurden die Pandabären „He Feng“ und „Lan Yun“ aus China im Tiergarten Schönbrunn der Öffentlichkeit offiziell präsentiert. Sie sind die neue Generation der österreichischen „Panda-Stars“. Die beiden Konfuzius-Institute in Wien und Graz erfreuen sich bei der österreichischen Bevölkerung nach wie vor großer Beliebtheit. Die Begeisterung für die chinesische Sprache in Österreich nimmt immer weiter zu und viele chinesische Studierende kommen für ihre Ausbildung nach Österreich. Städte wie Beijing, Shanghai, Chengdu, Shenzhen oder Xi’an sind mit Wien durch Direktflüge verbunden. Und die positiven Effekte durch die einseitige Visafreiheit für Österreicher in China sind weiter spürbar. Dies bezeugt eindrucksvoll die lebhafte Dynamik des Austauschs zwischen den Menschen auf beiden Seiten. Der gesellschaftliche Austausch und die regionale Zusammenarbeit zwischen China und Österreich gedeihen prächtig. Mehr als 20 Partnerschaften zwischen Provinzen, Bundesländern und Städten sind Beleg für die freundschaftlichen Beziehungen beider Länder. Das Interesse an Tourismus, Handel und Investitionen bleibt in beiden Richtungen unvermindert stark, wodurch beide Länder immer näher zusammenrücken.
Menschen mit gemeinsamen Zielen und Idealen können auch Berge und Meere nicht trennen. Die Beziehungen beider Länder werden am treffendsten als eine freundschaftliche strategische Partnerschaft bezeichnet – ein Verhältnis, das sich in den Stürmen internationaler Politik stets bewährt hat. Rückblickend betrachtet gleichen die chinesisch-österreichischen Beziehungen einem alpinen Gebirgsbach: Er entspringt hoch oben in den Bergen und strömt unablässig voran. Mit Blick auf die Zukunft ähnelt die Freundschaft beider Länder den tosenden Wellen des Jangtse, der Berge wie Meere durchquert und unermüdlich dahinfließt. An der Schwelle zu einer neuen Ära, in der an die Vergangenheit angeknüpft und die Zukunft gestaltet wird, ist China bereit, gemeinsam mit Österreich und unter Führung der Staatschef-Diplomatie den 55. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum Anlass zu nehmen, die strategische Partnerschaft beider Länder weiter zu vertiefen und gemeinsam ein neues Kapitel in den Beziehungen beider Länder aufzuschlagen.