Nach Angaben der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) ist die zehnte Charge von Proben für wissenschaftliche Experimente an Bord des Raumschiffs Shenzhou 22 erfolgreich von der chinesischen Raumstation zur Erde zurückgekehrt. Bei dieser Charge handelt es sich um neun Experimentierproben der Biowissenschaften, zwölf Proben der Materialkunde und zwei Proben aus Verbrennungsexperimenten. Insgesamt verfügen sie über ein Gewicht von 41,14 Kilogramm. Die biowissenschaftlichen Materialien wie künstliche Embryonen oder Gehirnorganoide wurden am frühen Morgen des 30. Mai um 4:05 Uhr an das Zentrum für Projekte und Technologien zur Nutzung des Weltalls der CAS in Beijing überführt.
Als hauptverantwortliche Institution für die angewandte Raumfahrt überprüfte das Zentrum den Zustand der Experimentierproben und übergab sie anschließend Wissenschaftlern für weitergehende Untersuchungen. Die übrigen Proben aus den Materialkunde- und Verbrennungsexperimenten wurden später gemeinsam mit der Raumkapsel der Shenzhou 22 nach Peking gebracht.
Bei den Biowissenschaften konzentrieren sich die Forscher künftig auf das zukunftsweisende Feld der „künstlichen Embryonen“. Sie hoffen, durch eine Reihe von Studien Anpassungsmechanismen von Lebewesen unter den Bedingungen des Weltraums besser verstehen zu können. Diese Forschungen sollen für einen künftigen langfristigen Aufenthalt von Menschen im Weltraum sowie für die Erforschung der Tiefen des Alls entscheidende theoretische Grundlagen in Bezug auf die Gesundheit von Lebewesen liefern.
In den Materialwissenschaften untersuchen die Forscher die aus dem All zurückgekehrten Proben wie neuartige Titanlegierungen, besonders feste und widerstandsfähige Stahlsorten oder relaxor-ferroelektrische Einkristalle auf ihre Eigenschaften wie Gefügestruktur, chemische Zusammensetzung und deren Verteilungsunterschiede hin. Die Wissenschaftler wollen dadurch Gesetzmäßigkeiten erkunden, nach denen die Schwerkraft Kristallwachstum, die Segregation von Elementen, Gussfehler und Materialeigenschaften beeinflusst. Die Forschungsergebnisse liefern technische Grundlagen, mit denen sich die Eigenschaften neuer Legierungen optimieren und wichtige Materialien wie piezoelektrische/ferroelektrische Kristalle oder feste und zähe Strukturstähle besser auf der Erde herstellen lassen. Diese Materialien sollen dann in Bereichen wie Luft- und Raumfahrt, der Fertigung von High-End-Geräten, Präzisionssensorik oder medizinischem Ultraschall zum Einsatz kommen.
In der dritten Kategorie der Proben aus Verbrennungsexperimenten sind Brenner, Rußsammelplatten und Sammeldeckel auf der Erde angekommen. Anschließend wollen die Wissenschaftler durch Flammensynthese entstandene Halbleiter-Nanomaterialien, Rußproben und Eigenschaften der Entstehung von Nanokohlenstoffpartikeln analysieren und erforschen. Die Forschungsergebnisse sollen grundlegende Erkenntnisse zu durch Flammensynthese im Weltall entstandenen Halbleitern, neuen Energiesystemen, Brandschutztechnologien für die Raumfahrt sowie der Herstellung hochentwickelter funktionaler Kohlenstoff-Nanomaterialien hervorbringen.