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Wie die Natur Teil der Infrastruktur chinesischer Städte wird

Donnerstag, 16. Juli 2026 Quelle :

Da Städte immer häufiger mit Überschwemmungen, steigenden Temperaturen und Wasserknappheit konfrontiert sind, werden vielerorts Konzepte städtischer Infrastruktur neu durchdacht. Lösungen findet man in China nicht nur in Beton, sondern auch in der Natur.

Parks, Feuchtgebiete und städtische Wälder werden so gestaltet, dass sie nicht nur als Grünflächen dienen, sondern auch bei Überschwemmungen Wasser aufnehmen, Stadtviertel kühlen und die Artenvielfalt fördern können. So werden sie zu einem Teil der Infrastruktur, mit der sich Städte an den Klimawandel anpassen. Dieser Ansatz fügt sich in die umfassenden Bemühungen Chinas vom vergangenen Jahr ein, Städte lebenswerter, widerstandsfähiger und ökologisch nachhaltiger zu gestalten.

Der Bedarf für mehr Widerstandsfähigkeit ist immer deutlicher geworden. In Peking kam es in den letzten Jahren mehrfach zu Extremniederschlägen wie 2012 zum heftigsten Starkregen seit 1951 und weiteren schweren Überschwemmungen 2023. Klimaexperten zufolge gibt es Anzeichen dafür, dass sich der wichtigste sommerliche Niederschlagsgürtel nach Norden verlagert, was in früher trockeneren Regionen zu stärkeren und länger anhaltenden Regenfällen führt.


Ein ökologisch gestaltetes Feuchtgebiet im Sky Mirror Sponge Park in der Freihandelszone Lingang in Shanghai (10. Mai 2026). (Foto von VCG)

Eine der bekanntesten Antworten Chinas auf diese Entwicklung ist die „Schwammstadt“-Initiative. Anstatt sich ausschließlich auf Entwässerungssysteme aus Beton zu verlassen, verfügen Schwammstädte über viele Feuchtgebiete, Parks, regenspeichernde Gärten und wasserdurchlässige Pflasterflächen, die Regenwasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben. Dadurch fließt weniger Wasser direkt an der Oberfläche ab und gleichzeitig wird das städtische Umfeld aufgewertet.

Das Projekt verbindet grüne Infrastruktur mit klassischer Ingenieurskunst. Nach Angaben der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission Chinas hat die Zentralregierung während des 14. Fünfjahresplans (2021–2025) insgesamt 60 Milliarden Yuan (etwa 7,73 Milliarden Euro) für Vorzeigeprojekte im Rahmen der „Schwammstadt“-Initiative bereitgestellt, um natürliche Speicherung, Versickerung und Reinigung von Regenwasser zu verbessern.

Behörden betonten zudem, die Widerstandsfähigkeit gegen Überschwemmungen erfordere ein umfassendes System, das Entwässerungsnetze mit Flüssen, Seen und Rückhaltebecken verbinde, ergänzt durch entsprechende Überwachungstechnologie und Notfallsysteme.

Gleichzeitig nutzen Wissenschaftler Satellitenbilder, um die Nachhaltigkeit städtischer Begrünung einschätzen zu können. Eine Studie von Forschern der Universität Kopenhagen, der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und weiterer Einrichtungen ergab, dass etwa drei Viertel der untersuchten chinesischen Großstädte zwischen 2010 und 2019 ihren Baumbestand vergrößert haben. Allerdings konzentrierten sich diese Zuwächse auf Megastädte wie Beijing und Shanghai.

Laut Schätzungen der Forscher bedeckten Stadtbäume 2019 in den untersuchten Städten eine Fläche von etwa 6000 Quadratkilometern. Diese Bäume könnten die Hitzebelastung verringern, Luft und Wasser filtern, den Abfluss von Regenwasser verlangsamen, Kohlenstoff binden und die Artenvielfalt fördern, während sie zugleich zur körperlichen und geistigen Gesundheit der Bewohner beitragen.

Naturnahe Infrastruktur verändert auch die Art und Weise, wie die Städte Wasser nutzen. Nach Angaben des Ministeriums für Wasserressourcen verfügt das als „Vogelnest“ bekannte Nationalstadion in Peking über ein Auffangsystem für Regenwasser, mit dem das Stadion mindestens die Hälfte seines Wasserbedarfs decken kann. Das System kann jährlich bis zu 58.000 Tonnen Regenwasser aufbereiten, das anschließend für die Toilettenspülung, die Bewässerung von Grünflächen und andere Zwecke verwendet wird, bei denen kein Trinkwasser nötig ist.

Während chinesische Städte weiter wachsen, dient die Natur zunehmend nicht mehr nur als Erholungsraum, sondern auch als Infrastruktur und trägt so dazu bei, dass Städte widerstandsfähiger, lebenswerter und besser auf den Klimawandel vorbereitet sind.