Ein Gefährt mit 108 mechanischen Armen rollt über Baumwollfelder und führt mehr als 300.000 Schnitte pro Stunde aus. Dabei handelt es sich um einen Roboter, der eine der mühsamsten landwirtschaftlichen Tätigkeiten überhaupt verrichtet: das Abschneiden (Kappen) der Spitzen von Baumwollpflanzen.

Auf diesem undatierten Foto ist ein 108-armiger Roboter zu sehen, der in der Stadt Shihezi in der nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen Region Xinjiang zum Kappen von Baumwolle eingesetzt wird. (Xinhua)
Die von chinesischen Ingenieuren entwickelte unbemannte Maschine befindet sich nun auf den weitläufigen Baumwollfeldern der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang im Nordwesten Chinas im Einsatz. Die Region ist das größte Anbaugebiet des Landes für Baumwolle.
Das 3,8 Meter hohe und acht Tonnen schwere Gerät verfügt über hochentwickelte Sensoren und ein System zur maschinellen Bildverarbeitung. Laut Angaben des Herstellers Viewer Tech, einer in Xinjiang beheimateten Firma für Agrarrobotik, kann die Maschine bis zu zwei Hektar pro Stunde bearbeiten, wodurch sie etwa 120-mal effizienter als die menschliche Arbeit von Hand ist.
Wie Tests gezeigt hätten, könne der Roboter den durchschnittlichen Ertrag pro Hektar um fast 600 Kilogramm steigern. Dies entspreche einem Nettogewinn von über 3.000 Yuan (rund 390 Euro) pro Hektar, so Liu Hangxing, Geschäftsführer von Viewer Tech.
Seit Generationen bedeutet das Kappen der Baumwollpflanzen Knochenarbeit in sengender Sommerhitze. Dabei müssen die Bauern Reihe für Reihe abgehen und die Spitze jeder einzelnen Pflanze von Hand abbrechen, damit die Pflanze nicht zu hoch wächst und keine Seitentriebe entstehen, die die Produktivität der Pflanze beeinträchtigen.
Diese Arbeit verlangt viel Fingerspitzengefühl: Schwächere Pflanzen dürfen weniger, stärkere müssen mehr gekappt werden. Das Kappen von Hand war früher alternativlos und resultierte aufgrund von Unterschieden bei Geschick und Arbeitstempo zwischen den einzelnen Personen in niedrigeren Ernteerträgen.
Der neue Roboter nutzt in seiner vierten Generation Kameras aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zum dreidimensionalen Sehen und KI-Algorithmen, um jede Pflanze genau zu erfassen, deren idealen Kapppunkt innerhalb weniger Millisekunden zu bestimmen und mit seinen 108 mechanischen Armen die Pflanzen gezielt anzusteuern. Von der Bestimmung des Kapppunkts bis zum Schnitt imitiert die Maschine selbst die händische Technik erfahrener Baumwollbauern.

Auf diesem undatierten Foto ist ein 108-armiger Roboter zu sehen, der in der Stadt Shihezi in der nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen Region Xinjiang zum Kappen von Baumwolle eingesetzt wird. (Xinhua)
Zhou Shuai, Geschäftsführer der Firma Xinmiao Agricultural Technology in der Stadt Shihezi, die in einem der wichtigsten Baumwollanbaugebiete im Norden Xinjiangs liegt, erklärt: „Dieser Roboter ermöglicht uns eine vollständige Mechanisierung und intelligente Steuerung über den gesamten Wachstumszyklus der Baumwollpflanzen hinweg.“ Gegründet von einer Gruppe junger Unternehmer. bewirtschaftet sein Betrieb heute etwa 133 Hektar Baumwollfelder.
Zhou zeigt sich von der Leistung der Maschine beeindruckt. Sie könne jeden Tag die Arbeit von 50 bis 60 Menschen erledigen, ihre Erfolgsquote liege bei über 90 Prozent.
Schon vor dem Einsatz des Roboters hatte Zhous Firma mithilfe des in China entwickelten Satellitennavigationssystems BeiDou und Künstlicher Intelligenz die Bewässerung, Düngung, Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Unkrautbekämpfung auf ihren Feldern automatisiert. Dadurch sind für die gesamte Feldarbeit gerade einmal fünf Personen notwendig.
Die Baumwollbranche in Xinjiang gehört mit einer Mechanisierungsrate von über 97 Prozent bei Anbau und Ernte schon jetzt zur Weltspitze.
Die Maschine zum Kappen der Baumwollpflanzen ist lediglich ein Beispiel umfassender Bemühungen zur landwirtschaftlichen Automatisierung in der Region. In den vergangenen Jahren haben Firmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen ihre Anstrengungen für Innovationen und technische Entwicklungen in der Baumwollindustrie verstärkt. Sie konzentrieren sich dabei auf Präzision, Effizienz und intelligente Steuerung.
Letztes Jahr entwickelten die Xinjiang University und das in Xinjiang ansässige Robotikunternehmen EAVISION gemeinsam einen Roboter, der die Baumwollpflanzen mit einem Laser kappt.
„Die Technologie von Robotern wird immer ausgereifter“, bemerkt Pei Xinmin, Wissenschaftler am Entwicklungszentrum für landwirtschaftliche und ländliche Mechanisierung von Xinjiang. „Es geht hier nicht nur um Baumwolle. Dieses Modell bietet auch Lösungen für die intelligente Landwirtschaft bei vielen anderen Feldfrüchten und treibt die digitale Transformation des Sektors in ganz Xinjiang voran.“