Wie aus Daten des Ministeriums für Ökologie und Umwelt hervorgeht, hat China im Rahmen eines nationalen Pilotprojekts gegen Stadtlärm landesweit 3272 „ruhige Wohngebiete“ mit mehr als 2,4 Millionen Haushalten eingerichtet.
Durch das Inkrafttreten des neuen chinesischen Gesetzbuchs für Ökologie und Umwelt, das einen eigenen Abschnitt zur Vermeidung und Bekämpfung von Lärm enthält, erhielt die Initiative am Samstag eine breitere Rechtsgrundlage. Die gesetzliche Maßnahme befasst sich mit einer wachsenden städtischen Herausforderung. Allein 2025 gingen bei den chinesischen Städten auf Bezirksebene rund 6,83 Millionen Lärmbeschwerden ein. Davon bezogen sich 73,2 Prozent auf durch das soziale Leben verursachten Lärm, wie Sport- und Tanzveranstaltungen auf öffentlichen Plätzen oder Nachbarschaftskonflikte.
Das im Mai 2023 ins Leben gerufene Programm für ruhige Wohngebiete bringt die alltäglichen Aktivitäten der Bewohner durch bauliche Maßnahmen, technische Überwachung und lokale Streitschlichtung mit ihrer Gesundheit in Einklang.
„Ruhiges Wohngebiet bedeutet nicht, dass es dort gar keine Geräusche gibt“, so Lu Lu, stellvertretender Leiter der Abteilung für Lärmmanagement im Ministerium für Ökologie und Umwelt. Das Ziel sei, angenehme Lebensräume zu schaffen, ohne das normale städtische Leben einzuschränken.
Die konkreten Lösungsansätze variieren je nach Standort. In Shenzhen etwa wird der Lärmschutz bei einigen neuen Wohnsiedlungen schon in der Planung berücksichtigt, mit lärmdämpfenden Straßenbelägen, Grünstreifen, die als Barriere für den Lärm dienen sollen, getrennten Wegen für Fußgänger und Autos sowie automatischen Lärmmessgeräten.
Aber auch ältere Wohngebiete werden aufgerüstet. Im Stadtbezirk Xiaoshan in Hangzhou etwa wurden im Viertel Huiyu Garden im Rahmen des Programms für ruhige Wohngebiete veraltete Aufzüge ausgetauscht und Abflussgitter sowie weitere öffentliche Anlagen repariert.
Doch bauliche Verbesserungen können nicht jeden Konflikt lösen. In der Stadt Weihai, Provinz Shandong, einigten sich Hausverwalter und Bewohner darauf, keine öffentlichen Sport- und Tanzveranstaltungen nach 20:30 Uhr durchzuführen, was durch die automatische Abschaltung der Beleuchtung zu dieser Uhrzeit sichergestellt wird.
Trotz solcher Fortschritte räumen die Verantwortlichen weiter Probleme, wie zum Beispiel unterschiedliche Umsetzung je nach Region und langfristige Instandhaltung der Anlagen, ein. Um diese Defizite zu beheben, will das Ministerium die Kriterien für ruhige Wohngebiete direkt in seine nationalen Richtlinien zur Lärmbekämpfung für die Jahre 2026 bis 2030 aufnehmen und ihre Einhaltung regelmäßig kontrollieren.
Für die lokalen Behörden ist das Programm ein erster Schritt in Richtung umfassenderer städtischer Ruhezonen. Zukünftig sollen die Lärmschutzmaßnahmen im ganzen Land auf gewerbliche und öffentliche Räume ausgeweitet werden.
Der 72-jährige Shi Jikun in Yuxi, Provinz Yunnan, litt früher unter dem Lärm einer nahegelegenen Sporthalle.
Inzwischen wurde die Halle zweimal schallgedämmt, wodurch sich die Lärmbelastung für Anwohner wie Shi deutlich reduziert hat.
„Die Gegend hier ist jetzt ruhiger geworden, was den Alltag viel angenehmer macht“, lobt Shi.