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China führt KI-Trainingsräume ein, um den Boom humanoider Roboter voranzutreiben

Dienstag, 22. September 2026 Quelle :

Reihen humanoider Roboter wiederholen immer wieder dieselben Bewegungen: Wasserflaschen aufheben, Tabletts in Mikrowellen schieben und Paketversandaufkleber scannen. Nicht weit davon entfernt falten Menschen in Motion-Capture-Anzügen Wäsche und glätten Bettlaken, während ihre Bewegungen von Sensoren erfasst und in auf Künstliche Intelligenz (KI) gestützte Trainingssysteme eingespeist werden. Szenen wie diese spielen sich vielerorts in China ab. Branchenkenner bezeichnen diese Einrichtungen als „Trainingsgelände für verkörperte KI“.

In China sind mittlerweile mehr als 140 Hersteller humanoider Roboter ansässig. Im Jahr 2025 lieferte das Land 14.400 humanoide Roboter aus. Das entspricht etwa acht von zehn weltweit ausgelieferten Einheiten.


Ein Mitarbeiter trainiert einen Roboter in Kalligraphie in einem Trainingszentrum für verkörperte Künstliche Intelligenz der Provinz Guangdong in Guangzhou in der südchinesischen Provinz Guangdong. 7. April 2026 (Foto: Xinhua/Deng Hua)

Doch so beeindruckend diese Zahlen auch sind: Die Branche steht vor einer grundlegenden Herausforderung. Es gilt, Roboter, die in kontrollierten Umgebungen laufen, springen und tanzen können, zu Maschinen weiterzuentwickeln, die zuverlässig die unzähligen, unvorhersehbaren Aufgaben des Alltags bewältigen.

Der Zugang zu riesigen Datenmengen ist ein entscheidender Faktor für die Bewältigung alltäglicher Aufgaben.

So wie große Sprachmodelle aus gewaltigen Textmengen lernten und damit die digitale Welt umgestalteten, benötigen Roboter enorme Mengen an Daten aus Interaktionen mit der realen Welt, um diese physische Umgebung zu meistern. Sie müssen durch wiederholte Erfahrungen lernen, Objekte unterschiedlichster Form zu greifen, sich in unbekannten Räumen zu bewegen, auf Veränderungen in ihrer Umgebung zu reagieren und alltägliche Aufgaben zu erledigen.

Während das Internet jedoch vor Texten nur so überquillt, wurden Daten über Interaktionen von Robotern mit der physischen Welt bislang nie systematisch erfasst. Genau diese Lücke sollen die neuen Trainingsorte schließen. Hier lernen Roboter durch wiederholtes, datenintensives Training, sich in realen Umgebungen zu bewegen und Aufgaben auszuführen.

Ein aktueller Forschungsbericht belegt, dass in China bis Ende Juni 2026 mehr als 70 Trainingsgelände für verkörperte KI eröffnet wurden. Zudem befinden sich über 40 weitere solcher Einrichtungen im Bau oder in der Planungsphase. Die meisten davon liegen im Jangtse-Delta, in der Region Beijing-Tianjin-Hebei sowie im Perlflussdelta.

In der südchinesischen Provinz Guangdong hat das dortige Trainingszentrum der Provinz eine Rolle übernommen, die weit über die reine Ausbildung von Robotern hinausgeht. Vom Betreiber als „Roboterschule“ bezeichnet, bringt es regelmäßig Roboterhersteller mit potenziellen Anwendern zusammen. So finden Hersteller, Gesundheitsdienstleister und Energieunternehmen geeignete Lösungen für verkörperte KI, während Roboterentwickler Zugang zu realen Umgebungen erhalten, in denen ihre Systeme lernen und getestet werden können.

Ein ähnliches Modell entsteht derzeit in Hangzhou, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Zhejiang. Dort fungiert die Nationale Pilotbasis für Anwendungen verkörperter KI als zentrale Vernetzungsinstanz, die staatliche Unternehmen, führende Technologieunternehmen und Anwenderbetriebe über einen offenen Kooperationsmechanismus zusammenbringt.

„Früher konnte die Entwicklung eines einzigen Anwendungsszenarios ein Unternehmen allein für Trainingsdaten zig Millionen Yuan kosten. Durch den Einzug in die Basis hat man nun Zugriff auf alles Nötige an einem einzigen Ort“, erklärte Zhang Haiwei, Gründer eines in Hangzhou ansässigen Roboterunternehmens.

Während sich diese Trainingszentren von isolierten Einrichtungen zu einem breiteren Ökosystem entwickeln, greift auch die staatliche Förderung ein, um diesen Prozess zu beschleunigen.

Im Juni 2026 starteten chinesische Behörden gemeinsam einen Sonderaktionsplan für das Training humanoider Roboter und verkörperter KI in realen Szenarien. Dieser verpflichtet jede Provinzregion dazu, mindestens 20 vorrangige Einsatzszenarien zu identifizieren und entsprechende Trainingsumgebungen zu schaffen, die ein Training, Testen und Verifizieren unter Realbedingungen ermöglichen.

Parallel dazu laufen Bemühungen, nicht nur den Umfang, sondern auch die Qualität der Trainingsdaten zu verbessern. Ein von einem Konsortium aus mehr als 40 Organisationen erarbeiteter Industriestandard für die Qualität von Datensätzen im Bereich verkörperter KI soll am 1. November in Kraft treten. Der Standard soll dazu beitragen, den Schwerpunkt bei der Entwicklung von Datensätzen von der reinen Menge hin zu höherer Qualität zu verlagern und gleichzeitig eine langjährige Lücke in diesem Bereich zu schließen.

Auch das Geschäftsmodell wandelt sich. Wang Maolin, Mitbegründer einer Plattform für das Ökosystem verkörperter KI mit Sitz in Shenzhen in Südchina, sieht den nächsten Schritt darin, über die bloße Bereitstellung von Daten hinauszugehen und „Training-as-a-Service“-Modelle zu entwickeln. Dadurch sollen vielfältige Einnahmequellen entstehen, die es ermöglichen, die Trainingszentren von kapitalintensiven Investitionsprojekten in nachhaltig wirtschaftende Betriebe zu verwandeln.

Dank staatlicher Unterstützung und der zunehmenden Dynamik bei ihrer Entwicklung beschränken sich Trainingszentren für verkörperte KI nicht mehr nur auf die großen Wirtschaftszentren Chinas. Brancheninsidern zufolge entstehen Ausbildungszentren mittlerweile auch in chinesischen Städten der dritten und vierten Kategorie. Diese schaffen so ein mehrstufiges Netzwerk, das nicht nur von Talenten und Kapital geprägt ist, sondern zunehmend auch von der Verfügbarkeit realer Anwendungsszenarien und den daraus gewonnenen Daten.