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| Ein mit Containern beladener Güterzug bei der Abfahrt vom Bahnhof Puhe in Shenyang in der nordostchinesischen Provinz Liaoning am 22. Oktober 2026. (Foto: Xinhua/Pan Yulong) |
Am Donnerstag erreichte der Güterzugverkehr zwischen China und Europa die Marke von insgesamt 140.000 Fahrten. Diese Zahl unterstreicht die Bedeutung der Verbindung als verlässlichen Logistikkorridor für den eurasischen Handel – insbesondere in einer Zeit, in der geopolitische Spannungen und Störungen auf traditionellen Schifffahrtsrouten eine Herausforderung für die globalen Lieferketten darstellen.
Erreicht wurde dieser Meilenstein, als am Donnerstag gegen 11:30 Uhr ein Zug in Richtung Moskau vom Bahnhof Puhe in Shenyang in der nordostchinesischen Provinz Liaoning abfuhr. Seit 2011 wurden über die Frachtroute China–Europa Waren im Wert von mehr als 560 Milliarden US-Dollar transportiert.
Die Zahlen verdeutlichen, dass sich der eurasische Landkorridor von einer Nischenalternative zu einer festen Säule der regionalen Logistik entwickelt hat. Dieser Wandel zeigt sich nicht nur in der Anzahl der Fahrten, sondern auch in der Art der beförderten Güter, den Zielorten und der Zuverlässigkeit der Ankünfte.
Das Wachstum verlief stetig und nicht sprunghaft. Nach Angaben der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform stieg die Zahl der jährlichen Fahrten von 1.702 im Jahr 2016 auf 20.022 im Jahr 2025, was einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von mehr als 30 Prozent entspricht.
Als Vorzeigeprojekt und zentrale Marke der „Belt and Road“-Initiative (BRI) hat der Güterzugverkehr zwischen China und Europa – oft als „Karawanen aus Stahl“ bezeichnet – ein umfassendes Logistiknetz über ganz Eurasien hinweg etabliert.
Der Ausbau erfolgte in einer Zeit, in der geopolitische Spannungen und Störungen auf Seewegen und hohe Luftfrachtkosten Handelsunternehmen dazu veranlassten, nach stabilen und effizienten Transportwegen zu suchen. Laut der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform kostet der Schienentransport etwa ein Fünftel der Luftfracht, benötigt nur etwa ein Viertel der Zeit eines Seetransports und ist weniger anfällig für wetterbedingte Einflüsse oder Störungen, wie sie auf traditionellen Seerouten auftreten können.
Parallel dazu wurde das Netz kontinuierlich erweitert. Innerhalb Chinas verbinden 96 planmäßige Verbindungen für Züge mit einer Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde 132 Städte entlang der westlichen, zentralen und östlichen Korridore. Außerhalb Chinas erstreckt sich das Netz über drei Hauptrouten: eine nördliche, eine zentrale und eine südliche.
Nach Angaben der China State Railway Group Co., Ltd. (China Railway), dem nationalen Eisenbahnbetreiber, erstrecken sich die grenzüberschreitenden Verbindungen inzwischen auf 237 Städte in 26 europäischen Ländern sowie mehr als 100 Städte in zwölf asiatischen Ländern und decken damit weite Teile Eurasiens ab.
Die südliche Route verdeutlicht, wohin sich die Nachfrage verlagert. Auf dieser Strecke verkehrten in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 auf regelmäßiger Basis 746 Züge, was einem Anstieg von 125 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht und ein deutlich schnelleres Wachstum darstellt als im gesamten Streckennetz. Im Juli 2024 wurde eine regelmäßige Verbindung zwischen der chinesischen Stadt Xi’an und Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, aufgenommen. Die Route führt durch Zentralasien und überquert das Kaspische Meer, bevor sie, entweder über das Schienennetz auf dem Landweg oder durch die Überquerung des Schwarzen Meeres, in Richtung Europa weiterverläuft.
Die Reichweite erstreckt sich sowohl nach außen als auch nach innen. Shuai Bin, Professor an der Fakultät für Transport und Logistik der Southwest Jiaotong University, erklärte, der Dienst habe „globale Ressourcen und Produktionsfaktoren stärker in die Binnenregionen gelenkt und gleichzeitig ein neues Muster der Öffnung gefördert, das durch eine eng abgestimmte Entwicklung zwischen Küstenhäfen und Knotenpunkten im Binnenland gekennzeichnet ist“.
Auf europäischer Seite wickelte allein Duisburg etwa 30 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene zwischen China und Europa ab, so Markus Teuber, Beauftragter der Stadt Duisburg für China-Angelegenheiten.
Das Spektrum der Güter, die auf diesen Strecken transportiert werden, hat sich noch schneller erweitert. Inzwischen umfasst es 53 Kategorien und mehr als 50.000 verschiedene Artikel. Im ersten Quartal 2026 bildeten mechanische Ausrüstungen weiterhin die größte Kategorie bei den Transporten in Richtung Europa, gefolgt von Automobilen und Autoteilen. Die Exporte von Automobilen und Autoteilen stiegen im Jahresvergleich um 46 Prozent, während die Importe von Getreide, Zellstoff und Kautschukprodukten um 87 Prozent, 64 Prozent beziehungsweise 24 Prozent zunahmen, wie Daten von China Railway im April zeigten.
Nach Angaben des Betreibers lag die Auslastung der Container auf der Rückfahrt bis September 49 Monate in Folge bei 100 Prozent.
„Der wachsende Anteil an Rücktransporten zeigt, dass sich die Güterzugverbindungen zwischen China und Europa von reinen Exportwegen hin zu einem gesünderen, beidseitigen Handelskorridor entwickeln. Dies trägt dazu bei, den eurasischen Handel ausgewogener und nachhaltiger zu gestalten“, so Sun Zhang, Professor an der Tongji-Universität, laut einem Bericht der „Global Times“.
Die Fracht zuverlässig zu befördern, ist eine größere Herausforderung, als sie zu akquirieren. Daher kommt es bei dieser Transportverbindung heute eher auf Zuverlässigkeit und nicht auf Geschwindigkeit an. Züge, die nach festen Fahrplänen verkehren – mit festgelegten Zugnummern, Routen und auf beiden Seiten der Grenze abgestimmten Zeiten für den Grenzübertritt –, verkürzen die Transportzeit um etwa ein Viertel. So dauert die Reise von Xi’an nach Duisburg nur noch elf statt zuvor 15 Tage. 22 solcher Zugverbindungen verbinden inzwischen neun chinesische mit sechs europäischen Städten. Der durchschnittliche Wert eines einzelnen Containers liegt dabei um 41 Prozent höher als bei regulären Güterzügen, teilte die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform mit.
Chinas 15. Fünfjahresplan (2026–2030) sieht eine Aufwertung dieser Transportdienstleistung vor. Die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform hat zudem angekündigt, die Transportorganisation zu verbessern, weitere Alternativrouten zu erschließen und die Abstimmung mit den Ländern entlang des Korridors zu vertiefen.
Ein Vertreter des Logistikzentrums von China Railway erklärte, der Betreiber arbeite am Ausbau der infrastrukturellen Vernetzung sowie an der Harmonisierung von Standards und Regeln, um ein reibungsloses, effizientes und in verschiedene Richtungen ausgerichtetes Netz zu schaffen, das Schienenwege mit Seerouten verknüpft.